Herpes simplex

Abb. a: 3D-Rekonstruktion eines unreifen Kapsids von HSV-1

Umgangssprachlich: Herpes – eine durch Herpesviren hervorgerufene Infektion. Die beiden häufigsten Virusspezies: das Herpes-simplex-Virus 1 (HSV Typ 1) und das Herpes-simplex-Virus 2 (HSV Typ 2) zeigen hinsichtlich Krankheitsbild und Lokalisation Unterschiede. Je nach Auftreten der Symptome werden verschiedene HSV-Infektionen bezeichnet, von denen der Herpes simplex labialis (Lippenherpes) und der Herpes simplex genitalis (Genitalherpes) am Häufigsten auftreten.

Viele Menschen kennen die unangenehm schmerzenden, juckenden und nässenden Bläschen auf der Lippe, im Mund, im Gesicht oder im Genitalbereich. Auch Fingernägel, Augen oder Gesäß können betroffen sein. Bis zu 90 % der Erwachsenen Menschen tragen das HSV Typ 1, etwa 40 % erleben mindestens einmal eine als Bläschen sichtbare Reaktivierung.

Die Erstinfektion mit Herpes-simplex-Viren erfolgt meist unbemerkt und häufig vor dem sechsten Lebensjahr. Bei vielen Virusträgern tritt ein Leben lang keine Bläschenbildung auf. Für etwa 10 bis 20 % der Infizierten wird besonders Lippenherpes zum wiederkehrenden Ärgernis. Ist die körpereigene Abwehr eingeschränkt, zum Beispiel nach Operationen, bei Krebs, Bluterkrankungen, der Einnahme von Medikamenten, welche das Immunsystem unterdrücken oder bei einer HIV-Infektion, zeigen sich die Symptome häufiger. Fiebrige Infektionskrankheiten können von der Reaktivierung eines Herpes labialis begleitet werden.

Abb. b: Herpes simplex labialis

Bevorzugte Stellen für das Rezidiv, also das wiederholt auftretende Herpesbläschen, sind der Übergang zwischen Gesichtshaut und Lippenrot sowie die Mundwinkel. Das HSV Typ 1 wird überwiegend durch Speichelkontakt und Schmierinfektion übertragen. Ausgehend von der oberen Hautschicht, wo das Virus die Bläschen hervorruft, wandert es entlang der Nervenfasern bis zu den Nervenzellen des Rückenmarks, nistet sich dort ein und verharrt im Ruhemodus (Latenz). Das Virus verbleibt lebenslang im Körper (persistierende Infektion). Mitverantwortlich für die Reaktivierung der ruhenden Herpes-Viren sind Störungen der Immunabwehr. Die reaktivierten Viren wandern entlang der Nervenbahnen, dieses Mal von den Nervenzellen in Richtung Hautoberfläche. Die Bläschenbildung beginnt. Zwischen Infektion und erstem Auftreten können Jahre vergehen.

Abb. b: grafische Darstellung eines Herpes simplex genitalis

Bislang gibt es keine Heilmittel oder Impfungen gegen Herpes-simplex-Viren. Das Abwehrsystem kann das Virus in Schach halten. Statistisch betrachtet tritt Lippenherpes mit zunehmendem Alter seltener auf.

Das verwandte Herpes-simplex-Virus Typ 2 wird durch engen Schleimhautkontakt übertragen, betrifft besonders die Geschlechtsteile und verursacht das Herpes genitalis. Etwa 15 bis 25 % der Erwachsenen hatten mit der Typ 2 Variante schon Kontakt. Dieser Virustyp kann durch Kontakt mit den Genitalien auch in den Mund- und Lippenbereich verschleppt werden.

Ursachen und Risikofaktoren

die häufigsten Übertragungswege der Herpes-simplex-Viren:

  • Tröpfcheninfektion – Husten, Niesen, Sprechen
  • Schmierinfektion – beispielsweise durch gemeinsame Benutzung von Besteck und Gläsern
  • Direkte Hautkontakt und Schleimhautkontakte – Küssen, Berührung der Bläschen, Geschlechtsverkehr

Auslöser für das Wiederauftreten (Rezidiv) der Bläschen:

  • Infektionskrankheiten oder Fieber – Fieberblasen
  • starke Sonneneinstrahlung – führt zur Unterdrückung der Immunzellen der Haut
  • Psychische Belastungen – Stress, Trauer, Ängste, Übermüdung
  • Hormonelle Umstellung – bei Frauen während der Menstruation oder in der Schwangerschaft
  • Erkrankungen oder Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken

Symptome

Bereits bevor sich das erste Bläschen auf den Lippen zeigt, spüren manche Betroffene ein Spannungsgefühl, Brennen oder Kribbeln. Beim ersten Auftreten des Herpes schwellen häufig die Lymphknoten im betroffenen Bereich schmerzhaft an. Die Bläschen füllen sich rasch mit klarer Flüssigkeit und platzen nach wenigen Tagen auf. Zurück bleibt eine kleine, empfindliche Wunde, die nach kurzer Zeit gelblich verkrustet und nach acht bis vierzehn Tagen von selbst abheilt. Solange die Bläschen nicht mit Schorf bedeckt sind, können sich andere Personen an ihnen durch Berührung infizieren. Gelegentlich gehen ein allgemeines Krankheitsgefühl sowie Abgeschlagenheit mit der Erkrankung einher. Die Bläschen können sich auch auf den Wangen, dem Naseneingang, den Ohrläppchen und im Augenbereich ausbreiten. Im Auge besteht, verursacht durch das Virus, die Gefahr dauerhafter Hornhauterkrankungen, daher ist im Infektionsfall ein Augenarzt zu konsultieren. Lippenherpes kann auch in Form von Mundfäule (Gingivostomatitis herpetica) in Erscheinung treten. Anzeichen hierfür sind u. a. geschwüratig zerfallende Bläschen im Mund, die stark schmerzen und hohes Fieber mit sich bringen.

Komplikationen

Generell sind die Krankheits-Symptome einer Herpes-simplex-Infektion zwar unangenehm, normalerweise jedoch nicht gefährlich. Bei bestimmten Risikogruppen mit geschwächtem Immunsystem (beispielsweise bei HIV-Infizierten, Patienten unter Chemotherapie, Neugeborenen) können sich aus einer Herpesinfektion Komplikationen entwickeln.

  • Durch Kratzen kann eine Infektion mit Bakterien wie Staphylokokken oder Streptokokken entstehen
  • Bei Neurodermitis können sich die Herpesbläschen auf vorgeschädigter Haut ausbreiten, große Hautpartien können davon betroffen sein (Ekzema herpeticatum).
  • Die Herpes-Entzündung des Gehirns (Herpes enzephalitis) kann, sofern nicht rasch erkannt und behandelt, lebensgefährliche Komplikationen hervorrufen.
  • Beim Infektion der Augen kann die Hornhaut betroffen sein (Herpes corneae), was zur Einschränkung der Sehkraft oder bleibenden Geschwüren und Narben führen kann.

Diagnose

Der Arzt erkennt die typischen Herpesblasen meist auf den ersten Blick und anhand der Schilderungen des Patienten. Der Hausarzt, Kinderarzt oder ein Arzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten ist erster Ansprechpartner, bei Schwangeren und Beschwerden im Genitalbereich der Frauenarzt. Bestehen Unklarheiten, beispielsweise weil Symptome an untypischen Stellen auftreten, kann die Untersuchung des Bläscheninhalts oder ein Abstrich der Haut oder die Bestimmung des Virustyps die Diagnosestellung unterstützen.

Therapie

Ist die Erkrankung spürbar oder sind die Bläschen bereits sichtbar, so kann nur der Heilungsverlauf beschleunigt und die Symptome gelindert werden. Tun Betroffene gar nichts, so verschwinden die Bläschen nach etwa zwei Wochen von selbst.

Gele mit Zinksulfat oder desinfizierenden Zusätzen helfen, die Bläschen schneller auszutrocknen und fördern die Abheilung. Medikamente, welche die Virenvermehrung hemmen, verkürzen die Heilungsdauer. Antivirale Gele und Cremes wirken jedoch nur, wenn sie bei den ersten Anzeichen eines Herpes konsequent aufgetragen werden. Viren, die nicht aktiv sind und in den Nervenzellen schlummern, lassen sich durch die Salbe nicht beeinflussen. Wird das Virus häufig lokal behandelt, kann es zu Resistenzen kommen.

Der Lippenherpes wird vorwiegend mit Aciclovir und Valaciclovir behandelt. Aciclovir wird neben der Tablettenform auch als Creme angeboten. In stärkeren Fällen des Lippenherpes sollte ein Facharzt aufgesucht werden, um eine eventuelle Sekundärinfektion auszuschließen. Der Lippenherpes heilt in aller Regel nach ca. zehn Tagen vollständig ab und hinterlässt keine Narben.

Vorbeugen

An einer Schutzimpfung wird seit Jahren geforscht. Bisher gibt es weder einen Impfstoff noch die Möglichkeit, die im Körper eingenisteten Viren auszurotten. Das Risiko an Lippenherpes zu erkranken lässt sich durch vorbeugende Maßnahmen verringern.

Vorbeuge-Maßnahmen:

  • Herpes-Viren überleben außerhalb des Körpers nur kurze Zeit. Vorsichtshalber jedoch mit akut Erkrankten nicht dieselben Handtücher, Lippenstifte, Servietten, Gläser oder Bestecke benutzen.
  • Der Inhalt der Bläschen ist infektiös. Wer sie berührt oder aufkratzt, kann das Virus mit den Fingern auch am Körper verteilen, etwa in die Augen oder in den Genitalbereich. Also, Finger weg.
  • Zum Auftragen von Gel, Creme oder Tinktur saubere Wattestäbchen benutzen.
  • Nicht die Augen reiben. Kontaktlinsen nicht mit Speichel ins Auge einsetzen. Während der Erkrankung besser eine Brille als Linsen tragen. Gelangen Herpes-Viren in die Augen (Herpes simplex retinitis), kann dies zu einer Schädigung der Horn- und. Netzhaut führen.
  • während ein Herpesbläschen auftritt, auf Küssen und oralen Sex verzichten. Die Viren könnten auf diesem Weg übertragen werden, auch auf die Genitalien.
  • Eine schwangere Frau kann in seltenen Fällen das Herpes-Virus im Mutterleib auf ihr ungeborenes Kind übertragen. Herpes-Viren sollten nicht in ihren Genitalbereich gelangen. Das für Lippenherpes verantwortliche Herpes-simplex-Virus Typ 1 kann wie das Genitalherpes Typ 2 manchmal auch im Genitalbereich eine Herpesinfektion verursachen.
  • Besondere Vorsicht gilt gegenüber Säuglingen und Kleinkindern oder alten, gebrechlichen Menschen. Wer Herpesbläschen hat, sollte hier den Hautkontakt minimieren.
  • Schnuller sollten nicht abgeleckt werden. Eine Infektion des Säuglings mit dem Virus kann schlimmstenfalls zu einer Hirn- oder Hirnhautentzündung mit bleibenden Schäden führen.
  • Vermeidung starker Sonneneinstrahlung. Für Lippen und Mundpartie gibt es spezielle Sun-Blocker mit hohem Lichtschutzfaktor.
  • Ein intaktes Immunsystem ist ein guter Schutz gegen wiederkehrende Herpesattacken. Zu einem gesunden Immunsystem tragen ausgewogene Ernährung, Bewegung, Sport, ausreichend Schlaf und der Verzicht auf zu viel Alkohol und Zigaretten bei. Psychische Belastungen können bei Bedarf mit professioneller Unterstützung bewältigt werden.

 

Abb. a: Thomas Splettstoesser – Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=46749786

Abb. b: Datei: #115770913 | Urheber: llhedgehogll
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Abb. c: Datei: #119465935 | Urheber: Kateryna_Kon
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