Zecken und Zeckenstich

Die Zecken, lat. Ixodida, zählen zur Gattung der Milben, die der Überordnung der Parasiten zugordnet

Abb. a: Der Gemeine Holzbock, Ixodes ricinus ist die bekannteste Art der Schildzecken

sind. Die Zecke besteht aus zwei beweglichen Abschnitten, dem Kopf (Capitulum) und dem Rumpf (Idiosma). Im Mundwerkzeug befindet sich zwischen den außenliegenden Tastern und den Kieferklauen (Cheliceren) der mit Widerhaken besetzte Stechrüssel (Hyposton). Mit den Klauen dringt die Zecke in die oberen Hautschichten ein, der Rüssel dient zum Saugen des Blutes.

In Deutschland sind etwa 15 Zeckenarten vertreten. Der Gemeine Holzbock (Schildzecke) ist mit 95 % die am häufigsten auftretende aber auch gefährlichste Art. Auch Hirschzecke, braune Hundezecke, Schafzecke und Taubenzecke sind verbreitet. Zecken können etwa 50 verschiedene virale und bakterielle Krankheiten übertragen. Die beiden häufigsten sind FSME und Borreliose.

Abb. b: Entwicklungsstadien der Zecke

Die Entwicklung der Zecke vollzieht sich über 3 Stadien. Aus den Eiern, wovon ein Weibchen bis zu 3.000 ablegen kann, entwickelt sich die Larve mit einer Größe von 0,5 mm. Sie hat 6 Beine. Als geschlechtslose Nymphe mit 8 Beinen misst die Zecke ca. 1,5 mm. Die erwachsene geschlechtsreife Zecke ist 3,5 – 4,5 mm groß und im vollgesogenen Zustand bis zu 13 mm lang. Die Entwicklung der Zecke vollzieht sich mit mehreren Häutungen über 2 bis 3 Jahre, kann jedoch bis zu 5 Jahren dauern, wenn die Zecke hungern muss. In jedem Stadium benötigt die Zecke eine Blutmalzeit. Eine Zecke lebt etwa 9 Jahre. Die Zecke atmet nicht über Lungen, sondern mit verschließbaren Tracheen in der Beinregion. Sie kann einige Zeit unter Wasser bleiben und dort bis zu 3 Wochen überleben.

Zeckensaison ist von März bis Oktober. Ab einer Temperatur von 8 bis 10 °C ist die Zecke aktiv. Sie bevorzugt Temperaturen um 20°, eine hohe Luftfeuchte begünstigt die Entwicklung, bei Trockenheit zieht die Zecke sich zurück.

Aufenthaltsort: Boden, Unterholz, Sträucher, Gräser, Wald, Lichtung, Bachläufe, Wegesränder. Bevorzugte Wirte sind Maus, Igel, Vogel, Rotwild und Rehe. Die Zecke wird durch Körperkontakt vom Träger abgestreift. Mit dem Haller’schen Organ am vorderen Beinpaar nimmt die Zecke Pheromone und Milchsäure des Schweißes wahr. Auch Lichtreize versetzen Sie in Lauerstellung. Sie bevorzugt dünne Haut und warme Stellen, etwa zwischen den Beinen, in der Kniekehle, unter den Armen, im Nacken und am Haaransatz.

Zeckenstich

Beim Zustechen sondert die Zecke Speichel ab. Dieser wirkt betäubend und erleichtert das Eindringen. Er verhindert die normale Wundreaktion, ebenso Entzündung und Blutgerinnung. Eine eventuelle Übertragung der FSME-Viren erfolgt direkt mit dem Speichel. Eventuelle Lyme-Borreliose Bakterien hingegen werden erst nach etwa 24 Stunden aus dem Mitteldarm übertragen.

Es gibt einen aktiven Impfstoff gegen FSME, die Impfung erfolgt in 3 Teilen. 4 Wochen nach der ersten Impfung wird erneut geimpft, abgeschlossen wird nach 9 bis 12 Monaten mit einer dritten Impfung. Ein Impfstoff gegen Borreliose wurde noch nicht entwickelt.

Zeckenentfernung

Greifen Sie bitte zur Entfernung der Zecke nicht zu Hausmitteln, nutzen Sie auch nicht die Finger und pressen Sie keine Flüssigkeiten aus der Zecke heraus. Folgende Hilfsmittel aus der Apotheke erleichtern die Zeckenentfernung:

  • Zeckenzange, so nah wie möglich an der Haut angesetzt, löst sich nach ca. 60 sek. anhaltendem Ziehen, die Zecke meist von selbst
  • Die Zeckenkarte mit V-förmiger Einkerbung ermöglicht das heraushebeln der Zecke
  • Eine Pinzette, spitz und gebogen fasst ebenfalls am Kopf der Zecke und löst sie mit Zug.
  • Mit der Zeckenschlinge oder dem Zeckenlasso, die die Zecke hautnah umfasst, können auch kleine Exemplare entfernt werden

Anschließend Wunde mit Desinfektionsmittel, Jod oder Alkohol desinfizieren.

Die Zecke kann auch nach der Entfernung Aufschluss über Erreger geben. Markieren oder fotografieren und beobachten Sie die Einstichstelle für einige Tage. Bei Unsicherheit suchen Sie einen Arzt auf.

Schutz vor Zecken und ihren Krankheitserregern

  • Meiden Sie hohes Gras, Unterholz, Laubstreu, lange Grashalme und Wegesränder
  • Tragen Sie geschlossene Kleidung, lange Ärmel, lange Hosen, Socken, Gummistiefel
  • Auf heller Kleidung sind Zecken leicht erkennbar
  • Insektenabweisende Mittel (Repellentien)
    halten kleine Plagegeister fern
  • Suchen Sie den Körper nach Zecken ab
  • FSME Impfung, insbes. bei häufigen Aufenthalten im Wald

FSME – Frühsommer-Meningoenzephalitis

Das Virus kann grippeähnliche Symptome, Fieber, Meningoenzephalitis (Gehirn- und Hirnhautentzündung) auslösen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt die FSME-Impfung gemäß der für Deutschland ausgewiesen Risikogebiete, die sich überwiegend in Süddeutschland befinden. Der Landkreis Birkenfeld und der Saarpfalz-Kreis gehören zu den Risikogebieten. Aus dem Landkreis Bad Kreuznach wurden Einzelerkrankungen gemeldet.

FSME-Therapie

Es bestehen keine Möglichkeiten der ursächlichen Therapie. Ist die Krankheit ausgebrochen, ist nur eine symptomatische, auf die Linderung einzelner Symptome konzentrierte Therapie möglich. Das therapeutische Spektrum umfasst Bettruhe und Schmerzmittel. Die Prognose der schweren Verläufe ist ungünstig, bei Kindern und Jugendlichen besser als bei Erwachsenen. Nach einer überstandenen Infektion besteht eine lebenslange Immunität, auch gegen andere Typen des FSME-Virus.

Borreliose

Abb. c: Borrelieninfektion, Hautreaktion Erythema migrans

Borreliose ist die am häufigsten durch Zecken übertragene Erkrankung. Sie geht oft mit neuropatischen Symptomen der Organe, des Nervensystems und der Gelenke einher. In Deutschland sind 6 – 35 % der Zecken mit Borreliose befallen. In 1,5 – 6 % der Fälle kommt es nach Zeckenstich zur Infektion. In 0,3 – 1,4 % der Fälle zur Erkrankung.

Nach 5 – 29 Tagen entwickelt sich als Frühmanifestation in etwa 50 % aller Borreliose-Infektionen die Hautreaktion Erythema migrans, ein heller roter Ring / Doppelring, nach außen ausweitend. Hinzu können Fieber, Kopfschmerz, Krankheitsgefühl und Gliederschmerzen auftreten.

Nach 4 – 16 Wochen breitet sich das Bakterium im Körper aus, grippeähnliche Symptome, Fieber, Kopfschmerz und Schweißausbrüche können ebenso wie Entzündungen in Organen, Gelenken, Muskeln, ZNS und PNS auftreten. Typische Beschwerden sind das Bannwarth-Syndrom (Entzündung peripherer Nerven und Nervenwurzeln), radikulitische Schmerzen (Reizung und Schädigung der Nervenwurzeln), Facialisparese (Gesichtslähmung), Hyperplasien lymphatischer Zellen, Schwellungen im Bereich der Ohrläppchen, von Gelenk zu Gelenk springende Arthritiden und Myalgien. Es kann zu Tastsinnstörungen, Sehstörungen, Herzproblemen, erhöhter Herzfrequenz, Bluthochdruck und erhöhtem Puls kommen.

Im dritten Stadium der Borreliose können chronische Symptome auch nach jahrelangen Latenzzeiten wiederaufflackern, ACA, Lyme-Arthritis, Neuroborreliose, Meningitis, Enzephalomyelitis, Symptome an Sinnesorganen, Gelenken und Muskeln.

Borreliose Therapie

Im Frühstadium der Infektion sind Tetracycline wie Doxycyclin wegen der Zellgängigkeit und ihrer Wirksamkeit gegen andere, ebenfalls durch Zeckenstiche übertragene Erreger das erste Mittel der Wahl. Eine entsprechende Therapie erfolgt in der Regel über vier Wochen. Die Prognose nach frühzeitiger antibiotischer Behandlung im ersten Stadium ist gut. Auch in den nachfolgenden Stadien ist eine antibiotische Behandlung häufig wirksam. Die Lyme-Borreliose kann in jedem Stadium auch ohne eine Antibiotika-Therapie ausheilen, doch je länger eine Borrelieninfektion dauert, umso schwieriger wird es, eine komplette Erregereliminierung zu erreichen. Nach einer durchgemachten Borreliose besteht keine Immunität. Bei schweren Krankheitsverläufen sind tägl. Antibiotika-Infusionen erforderlich.

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